Endourologie

Bei endoskopischen Eingriffen werden Hohlorgane üblicherweise verletzungsfrei über natürliche Körperöffnungen inspiziert. Den meisten Menschen ist dies von Magen- und Darmspiegelungen her ein Begriff. 

In der Urologie kann so der gesamte Harntrakt erreicht werden, angefangen von der Harnröhe über die Harnblase und die beiden Harnleiter bis in die Nierenbecken. Dies dient einerseits diagnostischen Zwecken, beispielsweise der Planung von inkontinenzchirurgischen Eingriffen oder der Früherkennung von Blasentumoren. Anderseits können eine ganze Reihe Erkrankungen auf diesem Wege behoben werden.

 

 

Bei transurethralen Resektionen (TUR) kann über die Harnröhre und unter Sicht Gewebe abgetragen werden. Der hierbei verwendete elektrische Schneidstrom sorgt gleichzeitig für eine optimale Blutstillung.

 

Zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung wird der Großteil der Prostata über die Harnröhre ausgehobelt" (TUR-P, transurethrale Resektion der Prostata). Gelegentlich vorhandene Blasensteine werden mitentfernt. Anschließend wird für etwa 3 Tage ein Dauerkatheter eingelegt. Ziel des Eingriffes ist es, bei einer Harnabflussstörung die die Blasenentleerung wieder zu verbessern. Nach der Operation sollten Sie sich für ein Monat körperlich schonen, um eine Nachblutung zu vermeiden. 

Alternativ sind inzwischen zahlreiche Verfahren mit Laser (Laservaporisation, Laserenukleation) oder Wasserstrahl mit ebenfalls guten Ergebnissen im Einsatz. "Minimalinvasive" Verfahren ohne Gewebsabtragung haben sich trotz wiederholter Bemühungen diverser Firmen nicht als konkurrenzfähig erwiesen und sollten wenn überhaupt speziellen Situationen vorbehalten sein.

 

Anders als bei einer Komplettentfernung der Prostata zur Behandlung von Prostatakrebs besteht hier kein nicht das einer teilweisen Durchtrennung der Potenznerven, daher wird die Erektionsfähigkeit durch diesen Eingriff üblicherweise nicht nennenswert geschädigt. Allerdings entleert sich bei den meisten Männern nach einer transurethralen Prostataresektion der Samenerguß "nach hinten" in die Blase (retrograde Ejakulation), wodurch sich das Gefühl beim Orgasmus ein wenig ändern kann.

 

 

Auch Blasentumore können so entfernt werden (TUR-B, transurethrale Resektion der Blase). Meistens handelt es sich um oberflächliche Frühformen, die auf diese Weise heilbar sind ohne die Harnblase zu entfernen. Weitere Blasenspiegelungen zur Nachkontrolle sind jedenfalls notwendig, bei bestimmten Wachstumsmustern der Blasenkrebses können diese auch mit Medikamenten behandelt werden, die direkt in die Harnblase eingebracht werden. 

 

 

Harnröhrenverengungen (Strikturen) könne so unter Sicht gespalten werden (Sichturethrotomie nach Sachse). Der Eingriff ist unkompliziert und rasch erledigt, anschließend wird für einige Tage ein Dauerkatheter eingelegt. Leider neigen Harnröhrenstrikturen allerdings zur Wiederkehr, weswegen spätestens nach zwei endoskopischen Therapieversuchen eine offene Harnröhrenrekonstruktion in Erwägung gezogen werden sollte.

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie hier:

Auch Harnleiter- und Nierensteine sind endoskopisch behandelbar. Mehr dazu erfahren sie im nächsten Kapitel: