Vasovasostomie

Nach Abschluß der Familienplanung entscheiden sich viele Männer zu einer Vasektomie. Allerdings kann es infolge geänderter Lebensumstände wieder zu einem Kinderwunsch kommen.

 

Mittels Vasovasostomie können mit guter Erfolgsaussicht die Samenleiter unter dem Operationsmikroskop wieder zusammengefügt und die Chance auf eine natürliche Befruchtung wiederhergestellt werden. Ist kein durchgängiger Samenleiterstumpf mehr vorhanden, kann der Samenleiter auch direkt mit dem Nebenhoden verbunden werden (Tubulovasostomie). Da nicht jeder Samenleiter nach diesem Eingriff auch durchgängig ist, werden immer beide Samenleiter rekonstruiert.

 

Die Erfolgschance eines solchen Refertilisierungseingriffes ist nicht nur abhängig vom chirurgischen Geschick des Operateurs und der Operationstechnik, sondern auch von der Zeitdauer, die der Samenleiter verschlossen war. Liegt die Vasektomie weniger als drei Jahre zurück, kann mit einer späteren Durchgängigkeitswahrscheinlichkeit von etwa 90% gerechnet werden. Mit zunehmender Verschlussdauer nehmen die Erfolgsaussichten ab, so liegt beispielsweise zehn Jahren  nach Vasektomie die Fruchtbarkeitsrate bei immer noch um passable 70%.

Operationstechnik

Die einfachste Methode einer Vasovasostomie ist eine einschichtige Naht durch alle Wandschichten des Samenleiters. Die Operation ist auf diese Weise relativ rasch und unkompliziert erledigt und mit freiem Auge oder einer Lupenbrille zu bewerkstelligen.

Im Gegensatz dazu ist eine mehrschichtige Naht mit getrennter Versorgung der einzelnen Wandschichten (Multilayer-Technik mit zwei bis drei übereinanderliegenden Nahtreihen) zwar wesentlich aufwändiger und technisch anspruchsvoller, das Operationsergebnis lässt sich hierdurch jedoch erheblich verbessern. Daher wird die mikrochirurgische mehrschichtige Vasovasostomie seit längerem von internationalen Fachgesellschaften als Goldstandard zur Refertilisierung empfohlen. Wegen der Feinheit der zu nähenden Strukturen als auch des Nahtmaterials erfolgt der Eingriff unter dem Operationsmikroskop.

 

Während der Operation wird aus der Flüssigkeit im Samenleiterstumpf ein Spermiogramm (mikroskopische Untersuchung der Samenflüssigkeit) erstellt. Ist im Sekret keine ausreichende Zahl funktionsfähiger Spermien vorhanden, kann der Samenleiter direkt mit dem Nebenhoden verbunden werden (Epididymovasostomie, bzw. Tubulovasostomie).  

 

Trotz sehr guter Operationsergebnisse kann der Erfolg einer Vasovasostomie nicht garantiert werden. Durch die Kooperation mit dem Kinderwunschinstitut unter einem Dach können auf Wunsch während der Operation Spermien zur Kryokonservierung (Einfrieren in flüssigem Stickstoff) aus dem Samenleiter gewonnen werden. Für den Fall dass keine Durchgängigkeit erzielt wird, wäre dann bereits Material für eine künstliche Befruchtung vorrätig und ein zusätzlicher chirurgischer Eingriff zur Spermiengewinnung überflüssig. Werden im intraoperativen Spermiogramm keine oder nur sehr wenige funktionsfähigen Spermien nachweisbar, kann im selben Eingriff auch eine TESE (Spermiengewinnung aus dem Hodengewebe zur späteren künstlichen Befruchtung) angeboten werden. Dies ist jedoch vor dem Eingriff zu besprechen, für die Kryokonservierung ist mit gesonderten Kosten zu rechnen.