gutartige Prostatavergrößerung

Die häufigste Ursache für vermehrten Harndrang oder erschwerten Harnfluss beim Mann

Die gutartige Prostatavergrößerung, im Fachchinesisch "benigne Prostatahyperplasie" (BPH) genannt, gehört zu den häufigen gesundheitlichen Problemen im Laufe eines Männerlebens. Sie ereilt uns Vertreter des "starken Geschlechts" überwiegend in der zweiten Hälfte unseres Daseins und kann zu häufigem Harndrang (besonders störend nachts mit nur kleinen Urinmengen) und / oder unvollständiger Blasenentleerung bis hin zur völligen Harnverhaltung mit Schmerzen und Einnässen führen. Ursache für die Probleme ist eine Einengung der oberen Harnröhre, die ja durch die Prostata hindurchführt, durch überschießend wachsendes Prostatagewebe.
Rechtzeitig entdeckt ist die BPH sehr gut behandelbar:
* Mit Medikamenten können Symptome wie Harndrang und unvollständige Blasenentleerung verbessert, aber auch das weitere Wachstum der Prostata gehemmt werden. 
* Ist dies nicht mehr ausreichend, steht ein immer größer werdendes Portfolio an Operationsmethoden zur Verfügung, um wieder einen freien Abfluss der Blase herzustellen.
Die für den Laien kaum noch überblickendbare Vielzahl an operativen Behandlungsmöglichkeiten ist zwar prinzipiell erfreulich, illustriert aber auch die Tatsache dass es "die ideale Behandlung für alle" offenbar noch nicht gibt. Umso wichtiger ist mir eine individualisierte Behandlungsempfehlung, die Rücksicht auf Ihre medizinische Vorgeschichte, aber auch Ihre persönlichen Prioritäten nimmt
Nicht immer ist aber die Ursache einer Blasenfunktionsstörung auch bei sonst gesunden Männern zweifelsfrei auf die Prostata zurückzuführen. In diesen Fall kann eine Urodynamik-Untersuchung Klarheit schaffen, ob eine Operation sinnvoll ist bzw wie dabei die Chancen auf Erfolg stehen.

Operationsverfahren

Die bewährtesten, etablierten Verfahren, die auch an den meisten Fachabteilungen angeboten werden, sind die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P), die transurethrale Laserenukleation (HoLEP oder TuLEP) und die chirurgische Enukleation der Prostata. Zu Unrecht wird häufig die Wahrnehmung verbreitet, diese wären "altmodisch" und man müsse unbedingt nach einer "neueren, moderneren" Lösung suchen. Tatsächlich haben sich auch diese Techniken über die Jahre weiterentwickelt, sei es durch den Wechsel von monopolarem auf bipolarem Resektionsstrom, druckloser Spülverfahren, den Einsatz verschiedener Lasertechnologien oder (zuletzt im Fall der chirurgischen Enukleation) die Einführung der Roboterchirurgie.

Allen diesen Verfahren ist gemein, dass es nicht "die beste Operationstechnik" gibt. Tatsächlich hängt es von mehreren Faktoren ab was nun Sinn macht und was nicht, vor allem Größe und Form der Prostata spielen hier eine entscheidende Rolle. Von aktuellen Modeströmungen, Technikgläubigkeit, undifferenzierten Behauptungen "im Internet" oder der Meinung von Nachbars Katze brauchen Sie sich nicht in eine Neurose manipulieren lassen. Zumal wir Urologen durchaus ein kleines bisschen von unserer Fachdisziplin verstehen. Und tatsächlich ist es für Ihren behandelnden Urologen komplett gleichgültig, mit welcher Methode Sie operiert werden, es entstehen dadurch keinerlei finanzielle oder sonstige Vorteile. Die Wahl des Verfahrens erfolgt nach rein medizinischen Gesichtspunkten.  

 

Bei einer TUR-P wird mit einer Resektionsschlinge (heutzutage meist mit bipolarem Strom) von der Harnröhre aus Prostatagewebe "ausgehobelt" und hierdurch der Blasenausgang trichterförmig erweitert. Die Blutstillung erfolgt gleichzeitig ebenfalls mittels elektrothermischer Energieübertragung.

 

Alternativ kann auch eine Laservaporisation durchgeführt werden. Das angestrebte Ergebnis ist hierbei sehr ähnlich, allerdings wird hier das Gewebe nicht geschnitten, sondern verdampft. Vorteil der Laservaporisation ist ein etwas geringerer Blutverlust, Nachteile sind die oft etwas stärker ausgeprägten Drangbeschwerden während der Abheilungsphase und die Tatsache dass das entfernte Gewebe nicht weiter untersucht werden kann. Eventuell bleibt so ein Prostatakrebs unentdeckt, der sonst "zufällig" gefunden worden wäre.

 

Einige Zeit wurde auch die Gewebsabtragung mittels Wasserstrahl (Aquablation, "Prostatakärcher") propagiert. Nachdem die meisten Abteilungen bereits nach wenigen Jahren ihre Geräte in den Keller geparkt haben, dürften die im Marketingsprech angekündigten Vorteile offenbar nicht gehalten haben.

 

Bei der Laserenukleation wird ebenfalls über die Harnröhre eingegangen. Hier wird das Gewebe jedoch nicht verdampft, sondern in meist zwei größeren Gewebestücken abgetragen, die dann in der Harnblase zur Zerkleinerung und Absaugung zwischengeparkt werden. Dem geübten Operateur ermöglicht dies bei großer Prostata eine kürzere Operationsdauer und damit einen geringeren Blutverlust. Dies bei einer kleineren oder mittelgroßen Prostata einzufordern (weil ja "moderner, schicker, besser") ist etwa so vernünftig wie seinen SUV im Briefkasten zu parken. Also wieder einmal, durchatmen, nicht aufregen, und einfach mal ein bisserl in Fachleute vertrauen. Es macht auch nur einen marginalen Unterschiede, ob nun ein Holmium- oder Thulium-Laser verwendet wird, diese technischen Details sind rein für Systementscheidungen der jeweiligen Fachabteilungen von Interesse und für Sie als Patient völlig irrelevant. 

 

Nachdem auch die Laserenukleation nicht nur  Vorteile hat, hat bei großen Prostaten auch die gute alte chirurgische Enukleation über einen kleinen Unterbauchschnitt (OP nach Millin) ihren Stellenwert noch nicht ganz verloren. In Zeiten der Roboterchirurgie erlebt diese neuerdings in etwas abgewandelter Form wieder eine kleine Renaissance und kann nun ebenfalls als "minimalinvasives" Verfahren bezeichnet werden. 

 

Nach all diesen Verfahren wird nach der Operation für wenige Tage ein dickerer Harnröhrenkatheter belassen, um Blut ausspülen zu können, andernfalls würde es in der Blase stocken und Probleme machen. Auch nach der Katheterentfernung besteht für einige Wochen das Risiko einer Nachblutung, weswegen körperliche Schonung eingehalten werden muss. Ansonsten sind Sie aber sehr rasch wieder wohlauf und nur wenig in Ihrer täglichen Lebensführung beeinträchtigt.

 

Ejakulationserhaltende Operationstechniken

 

Bei allen diesen konventionellen Verfahren wird auch der innere Blasenschließmuskel mit entfernt oder zumindest durchtrennt. Der innere Schließmuskel verschließt während der Erektion den Weg nach oben in die Harnblase und zwingt jegliche Produkte der Samenwege in Richtung Harnröhre, so kommt es letztlich zur Ejakulation. Wird nun der innere Schließmuskel geschädigt, wird der Großteil des Ejakulates nach rückwärts in die Harnblase abgesondert und später ausuriniert. Dies ist gesundheitlich völlig unbedenklich und verursacht keinerlei Probleme, der Orgasmus fühlt sich dann allerdings "trocken" an. Für Männer mit einem starken Wunsch nach Ejakulationserhalt wurden daher mehr oder weniger ejakulationserhaltende Operationsverfahren entwickelt, beispielsweise wird dies versucht indem bei der TUR-P stellenweise mehr Gewebe stehengelassen wird. Der Versuch eines Ejakulationserhaltes wird aber immer erkauft durch eine geringere Effektivität und damit insgesamt schlechtere Ergebnisse bzw einer höheren Wahrscheinlichkeit einer neuerlichen Operationsnotwendigkeit.

 

REZUM arbeitet mit heißem Wasserdampf, welcher von der Harnröhre aus ins Prostatagewebe injiziert wird. Das geschädigte Gewebe wird in den darauffolgenden Wochen und Monaten abgebaut und die Prostata dadurch verkleinert. Es ergeben sich hier zahlreiche Vorteile, beispielsweise besteht kaum ein Blutungsrisiko, auch eine Narkose ist nicht erforderlich, dadurch kann der Eingriff problemlos ambulant oder tagesklinisch durchgeführt werden. Da durch die Verbrühung des Gewebes in den ersten Tagen eine Schwellung eintritt und somit die Blasenentleerung noch mehr behindert wird, ist in den ersten Tagen ein Dauerkatheter unvermeidlich, dieser muss aber nicht dick sein und wird meistens gut vertragen. Nachteil ist die schlechtere Effektivität und höhere Rate an nötigen Folgeeingriffen, außerdem ist nicht jede Prostata in Form und Größe gut dafür geeignet. Die Ejakulation kann hier nicht immer, aber in der Mehrzahl der Fälle erhalten werden.

 

Urolift arbeitet völlig ohne Gewebeabtragung. Mittels eines "Fadenliftings" werden die Prostataseitenlappen wie mit Matrazennähten zur Seite gezogen und geben so die Harnröhre wieder besser frei. Das Blutungsrisiko ist gering, ein Katheter wird meist nicht benötigt. Auch dieser Eingriff kann daher ambulant durchgeführt werden und benötigt keine Vollnarkose, allerdings bestehen hier ähnliche Einschränkungen wie beim REZUM. Nicht jede Prostata eignet sich gut für diesen Eingriff, der Behandlungserfolg ist hier entscheidend abhängig von einer möglichst guten Patientenauswahl. Da hier weder mit elektrischer Energie noch mit Hitze gearbeitet wird und die Behandlung sehr gezielt und punktuell erfolgt, kann hier ein Erhalt sämtlicher Sexualfunktionen, einschließlich der Ejakulation, praktisch garantiert werden.

Erfreulicherweise konnten wir 2026 unsere ersten Eingriffe am ambulanten OP-Zentrum in Wels erfolgreich durchführen und dieses Verfahren somit auch in Österreich zugänglich machen. Leider handelt es sich einstweilen um eine reine Privatleistung, eine Rückerstattung ist derzeit bei keiner Krankenkasse vorgesehen.